>> Das Autohaus | Lehrwerkstatt in Madagaskar

Madagaskar

Andreas, Peter und Claus sind im Stuttgarter Kfz-Gewerbe tätig. Seit kurzem werden ihre „Blaumänner" mit Namensschild stolz von Guy, Joseph und Tsida im fernen Madagaskar bei der Arbeit getragen. Dies löste natürlich bei Karl Ernst Scheffler und Gustav Bachmann aus Esslingen, die in einem vierwöchigen ehrenamtlichen Einsatz in der künftigen Lehrwerkstatt des Ausbildungszentrums des deutsch-madagassischen Vereins in der Hauptstadt Antananarivo alles zum Laufen bringen wollen, ein Schmunzeln aus. „Wir fühlen uns fast wie zu Hause", schwärmen die Fachleute 8.000 Kilometer von der Familie entfernt.

Zwei Container mit insgesamt zehn Tonnen Material wie Hebebühnen, Steuergeräten, noch intakten Motoren, Getrieben, Reifenmontiermaschine und vielen Kleinwerkzeugen, die allesamt im Großraum Stuttgart gespendet wurden, sind ausgeladen. Eine Zufahrt zu dem Neubau auf dem Gelände im Stadtteil Mandrosoa wurde geschaffen, ein Ersatzteillager mit schwäbischer Gründlichkeit eingerichtet, ein Metalldepot angelegt und die Elektroinstallationen mit Sicherungskästen und Crashschalter entsprechen nun ebenfalls deutschen Sicherheitsvorschriften. „Wir sind abends richtig geschafft", bekennen die beiden 63-Jährigen.

Per Schiff ging es auf die vor der Südostküste Afrikas gelegene viertgrößte Insel der Welt. „Wir haben die schönste Werkstatt der Hauptstadt", jubeln die Mitarbeiter des Zentrums, in dem über 100 junge Leute aus ärmlichen Verhältnissen beziehungsweise Waisen in verschiedenen Berufen eine kostenfreie Ausbildung erhalten. Karl Ernst Scheffler, der das von ihm gegründete Autohaus zwischenzeitlich seinem Sohn Karl Markus übertragen hat, ist nicht nur in Madagaskar aktiv. Als Pressesprecher der Kfz-Innung im heimischen Esslingen engagiert er sich seit Jahren.

 

Gustav Bachmann, früher als Konstrukteur in einem Betrieb für Glasbau und Autozubehör tätig, steht als Dolmetscher zur Verfügung. Im Gegenzug lernen die dortigen einheimischen Schüler bereitwillig einige Brocken Schwäbisch. „Die Einrichtung verfügt nun über eine Lernwerkstatt, die weiter ausbaufähig ist." Im Herbst soll der erste Jahrgang aufgenommen werden. Ausbilder Lanto hat bis dahin die erforderlichen Qualifikationen. „In Madagaskar wird alles irgendwie repariert und geflickt, aber wenig in den Nachwuchs investiert. Das Duale Ausbildungstem nach deutschem Vorbild wäre hier sehr hilfreich", meinen die deutschen Experten.

Für Karl Ernst Scheffler endet die Arbeit für den Esslinger Förderverein nicht mit dem Rückflug. Er hat versprochen, die Mitgliederzahl von derzeit 355 auf 500 anzuheben. Scheffler ist zuversichtlich, dass im nächsten Jahr zwei weitere Mitglieder der Kfz-Innung ebenfalls ihre Freizeit opfern und in die Heimat von Pfeffer und Vanille fliegen werden. Es sei wichtig, dass ein steter Kontakt bestehen bleibe, neue Leute mit neuen Ideen in die Werkstatt kämen und somit zur Weiterentwicklung beitrügen. „Wir beide wollen jetzt nur einen Anstoß zur Eröffnung geben." Zwei junge madagassische Ausbilder sind derzeit für mehrere Monate in einem Esslinger Betrieb, um ihre Kenntnisse im Pneumatikbereich zu erweitern.

 

 

 

 

 

 

 


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